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Artikel & InterviewsJan Honsel · 1. November 2026

Profitables Wachstum braucht eine gemeinsame Marketingküche

Eine gute Küche braucht Menschen, die ihr Handwerk beherrschen. Damit aus ihrer Arbeit ein stimmiges Menü wird, müssen sie außerdem wissen, für wen sie kochen, welche Qualität erwartet wird und wie die einzelnen Stationen zusammenspielen.

Dieses Bild nutze ich in meiner Keynote „The Growth Kitchen – From Ingredients to Impact“. Es beschreibt für mich eine zentrale Herausforderung im Marketing: Fachliche Spezialisierung schafft Tiefe. Eine gemeinsame unternehmerische Richtung macht diese Tiefe für das Unternehmen nutzbar.

Beim 360° Marketing Lab 2026 standen unter anderem Agentic Commerce, KI in der Content-Produktion, Amazon DSP und GEO auf dem Programm. Für mich verbindet diese Themen eine übergeordnete Frage: Wie verändert die Entwicklung an einer Station die Arbeit der anderen?

Das Menü beginnt mit dem Geschäftsziel

Zu Beginn einer Zusammenarbeit möchte ich verstehen, welche Art von Wachstum ein Unternehmen anstrebt. Geht es um neue Kunden, zusätzliche Märkte, wiederkehrende Käufe oder einen besseren wirtschaftlichen Beitrag bestehender Angebote?

Diese Fragen beeinflussen die Auswahl der Maßnahmen. Sie helfen auch, Zielkonflikte früh zu benennen. Eine Maßnahme kann für ein einzelnes Team überzeugend aussehen und zugleich Ressourcen binden, die an anderer Stelle dringender gebraucht werden.

Deshalb sollte das Management erklären können, welche Priorität für den nächsten Zeitraum gilt und welche Entscheidungen daraus folgen. Ein gemeinsames Ziel erhält seine Bedeutung durch die Konsequenzen im Alltag.

Jede Station braucht einen klaren Beitrag

Search, Social, Commerce, Creative und Datenarbeit verlangen unterschiedliche Kompetenzen. Für ein Führungsteam ist entscheidend, die jeweiligen Beiträge zusammen beurteilen zu können.

Ich würde dafür die Arbeit vom Kunden her beschreiben: Welche Erwartung entsteht? Welche Information hilft bei der Auswahl? Was erleichtert den nächsten Schritt? Welche Erkenntnis fließt anschließend zurück? Aus dieser Betrachtung entstehen konkrete Übergaben zwischen Spezialisten.

Die Führung muss dabei nicht jede technische Detailfrage selbst lösen. Sie muss dafür sorgen, dass die beteiligten Verantwortlichen ihre Entscheidungen aufeinander abstimmen können und dass offene Fragen einen klaren Ansprechpartner finden.

Daten sind Teil der gemeinsamen Sprache

Ein gemeinsames Reporting beginnt mit verständlichen Begriffen. Wenn Marketing, Vertrieb und Finance über einen Kunden, einen Abschluss oder einen wirtschaftlichen Erfolg sprechen, sollte klar sein, was jeweils gemeint ist.

Ich würde die wichtigsten Kennzahlen deshalb mit einer Entscheidung verbinden: Wer nutzt diese Zahl? Welche Handlung kann daraus entstehen? Welche Informationen fehlen für eine faire Bewertung? So bekommt Datenarbeit einen konkreten Auftrag.

Eine umfangreiche Präsentation ersetzt dieses Verständnis kaum. Ein überschaubares Set nachvollziehbarer Kennzahlen kann für die Zusammenarbeit wertvoller sein, wenn seine Grenzen und Konsequenzen allen Beteiligten bekannt sind.

KI gehört in den Arbeitsablauf

Bei der Auswahl eines KI-Anwendungsfalls interessiert mich, wie sich eine Aufgabe dadurch verändert. Welcher Teil lässt sich sinnvoll unterstützen? Wer beurteilt das Ergebnis? An welcher Stelle wird daraus eine Entscheidung oder eine Handlung?

Für einen ersten Versuch würde ich einen klar abgegrenzten Ablauf auswählen, die Ausgangssituation beschreiben und ein überprüfbares Ziel vereinbaren. Das Team braucht Zeit, um Erfahrungen auszuwerten und den Ablauf anzupassen. Auch das Beenden eines Versuchs kann eine sinnvolle Entscheidung sein, wenn die erwartete Wirkung ausbleibt.

Gemeinsam abschmecken

Regelmäßige Reviews sollten die Arbeit über die Grenzen der einzelnen Disziplin hinaus betrachten. Wo ist die Kundenentscheidung leichter geworden? Welche Übergabe funktioniert besser? Welche Annahme müssen wir verändern?

Mein Maßstab für eine gute Marketingküche ist, ob aus diesen Gesprächen klare Entscheidungen entstehen: eine Priorität, ein verantwortlicher Mensch und ein nachvollziehbarer nächster Schritt. So wird Zusammenarbeit zu einem Teil des Wachstumsmodells. Die Zutaten können sich verändern. Der gemeinsame Anspruch an die Wirkung bleibt.

Sie möchten Strategie und Umsetzung enger verbinden? Schreiben Sie mir an jan@jan-honsel.de.