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Artikel & InterviewsJan Honsel · 1. November 2026

KI verändert die Produktsuche: Sichtbarkeit wird zur Führungsaufgabe

Wer über Sichtbarkeit spricht, sollte bei der Entscheidung des Kunden beginnen. Ein Mensch möchte eine Auswahl treffen: ein passendes Produkt finden, ein Problem lösen oder einen Anbieter einschätzen. Dafür kann er eine Suchmaschine, einen Marktplatz, soziale Medien oder einen KI-Assistenten nutzen.

Meine Perspektive auf diese Frage ist auch durch den Aufbau von Pinterest im deutschsprachigen Markt geprägt. Produktentdeckung und Kaufentscheidung bilden ein spannendes gemeinsames Feld. In meinem Gastbeitrag für it-daily habe ich beschrieben, warum Unternehmen Plattformen, Marktplätze und die eigene Website zusammen betrachten sollten. Daraus ergibt sich für mich vor allem eine Aufgabe für das Management: Welche Informationen braucht eine gute Entscheidung, und wie stellen wir diese konsistent bereit?

Vom Kanalplan zur Kundenfrage

Ein Kanalplan beantwortet, wo ein Unternehmen aktiv ist. Für die strategische Beurteilung möchte ich außerdem wissen, welchen Beitrag diese Aktivität leistet.

So können Inhalte in sozialen Medien ein Problem verständlich machen. Ein Marktplatz bietet Vergleichsmöglichkeiten. Die eigene Website kann Anforderungen, Einsatzbedingungen und die Besonderheiten des Angebots ausführlich erklären. Welche Kombination hilfreich ist, hängt vom Produkt, vom Kunden und vom konkreten Entscheidungsprozess ab.

Ich würde deshalb mit Vertrieb, Marketing und Kundenservice eine gemeinsame Liste zentraler Kundenfragen erarbeiten. Diese Liste ist häufig der bessere Ausgangspunkt für Prioritäten als eine Diskussion über das nächste zusätzliche Format.

Verständliche Angebote brauchen belastbare Informationen

Betrachten wir als Beispiel die Suche nach einer Software für ein wachsendes Unternehmen. Eine bloße Aufzählung von Funktionen hilft nur begrenzt. Die Interessenten müssen auch einschätzen können, für welche Unternehmensgröße das Angebot gedacht ist, welche Voraussetzungen gelten und wie eine Einführung abläuft.

Das Beispiel lässt sich auf viele Angebote übertragen. Klare Leistungsbeschreibungen, nachvollziehbare Anwendungsfälle und überprüfbare Aussagen erleichtern die Einordnung. Aus Sicht der Führung gehört dazu eine einfache Organisationsfrage: Wer hält diese Informationen aktuell, wenn sich Produkt, Preis oder Zielgruppe verändern?

SEO und GEO auf ein gemeinsames Fundament stellen

Google beschreibt für seine KI-Suchfunktionen weiterhin die bekannten Grundlagen: zugängliche Inhalte, sinnvolle interne Verlinkung, relevante Texte und eine gute Nutzererfahrung. Spezielle zusätzliche Dateien oder ein besonderes KI-Markup sind dafür keine Voraussetzung.

Für mich spricht das für eine gemeinsame Arbeitsgrundlage der Teams. Technische Auffindbarkeit, fachliche Qualität und eine konsistente Darstellung des Unternehmens sollten zusammen geplant werden. Die Details der jeweiligen Plattform bleiben eine Aufgabe für die Spezialisten.

Auch die technische Zugänglichkeit verdient einen bewussten Blick. OpenAI unterscheidet beispielsweise zwischen dem Suchcrawler OAI-SearchBot und dem für mögliches Modelltraining eingesetzten GPTBot. Suchpräsenz und die Freigabe für Training lassen sich dort getrennt steuern.

Wirkung über mehrere Signale beurteilen

Ein sinnvoller Prüfplan verbindet die Kundenfragen mit beobachtbaren Ergebnissen. Wird das Unternehmen passend beschrieben? Welche Quellen werden herangezogen? Finden Interessenten die Informationen, die sie für den nächsten Schritt benötigen?

Daneben bleiben die Geschäftsergebnisse relevant: qualifizierte Anfragen, Kaufentscheidungen und die Qualität der gewonnenen Kundenbeziehungen. Einzelne Antworten eines KI-Systems sind eine Momentaufnahme. Ich würde feste Fragen wiederholt prüfen und Veränderungen dokumentieren, statt aus einem einzelnen Treffer eine allgemeine Erfolgsstory abzuleiten.

Die Verantwortung bleibt im Unternehmen

Sichtbarkeit berührt Positionierung, Produktinformationen, Kommunikation und Daten. Deshalb sollte die Geschäftsleitung einen gemeinsamen Auftrag formulieren und Verantwortlichkeiten klären. Wer nur über Zuständigkeiten der Kanäle spricht, übersieht leicht die Informationen, die zwischen diesen Zuständigkeiten verloren gehen.

Mein Ausgangspunkt wäre ein überschaubares Angebot, einige wichtige Kundenfragen und ein gemeinsames Review. Daraus kann ein belastbarer Verbesserungsprozess entstehen, der die fachliche Tiefe der Spezialisten mit einer klaren unternehmerischen Richtung verbindet.

Sie möchten Ihre Sichtbarkeit aus dieser Perspektive betrachten? Schreiben Sie mir an jan@jan-honsel.de.